Medizinisches Deutsch für die Fachsprachprüfung (FSP): Redemittel, Übungen und Sprechplan
Wenn du deine ärztliche Ausbildung außerhalb Deutschlands gemacht hast und auf die Fachsprachprüfung (FSP) hinarbeitest, ist selten die Medizin das Problem. Schwierig ist das Deutsch des ärztlichen Arbeitstags: eine Anamnese erheben, einen Eingriff in einfachen Worten erklären, einen Fall vorstellen, den Arztbrief schreiben. Allgemeine Kurse bringen dir Café- und Urlaubsdeutsch bei und lassen dich kaum sprechen. Viglot macht aus deiner eigenen klinischen Szene eine Lektion, damit du genau diese Gespräche jeden Tag laut übst, mit einem Gesprächspartner, der in der Rolle bleibt. Unten findest du außerdem Redemittel-Tabellen, Übungen und einen Tagesplan.
Das Deutsch, das dein Arbeitstag verlangt
Die Fachsprachprüfung prüft, wie schon der Name sagt, dein medizinisches Deutsch und nicht, ob deine Diagnose stimmt. Dieses Deutsch stammt aus denselben Gesprächen, die du jeden Tag bei der Arbeit führst:
- Gespräch mit dem Patienten. Du erhebst die Anamnese und erklärst dann die wahrscheinliche Diagnose und die nächsten Schritte in Worten, die der Patient versteht.
- Dokumentation. Du hältst das Gehörte im knappen, unpersönlichen Stil deutscher Krankenakten fest.
- Gespräch mit Kollegen. Du stellst den Fall Ärzten vor und beantwortest ihre Rückfragen.
Zwei Fertigkeiten ziehen sich durch alle drei: der Wechsel zwischen Fach- und Alltagsbegriffen und die Fähigkeit, sich verständlich zu machen, wenn dir ein Wort fehlt – durch Umschreiben, Nachfragen und Zusammenfassen. Beides lässt sich nur durch Sprechen trainieren.
Die Anforderungen unterscheiden sich und ändern sich
In diesem Ratgeber geht es um die Sprache, nicht um das Verfahren. Wer welche Prüfung in welchem Format ablegen muss, unterscheidet sich und ändert sich. Erkundige dich bei der für dich zuständigen Behörde oder Ärztekammer nach den aktuellen Regeln; das offizielle Portal Recognition in Germany hilft dir, sie zu finden.
Warum allgemeine Deutschkurse und Apps nicht reichen
Allgemeine Kurse und Sprach-Apps bringen dir das Deutsch des Alltags bei: Kaffee bestellen, Urlaub buchen, über Hobbys reden. Das ist eine nützliche Basis, aber nicht das, was du auf Station oder in der Prüfung sagst. Du brauchst die Gespräche deines eigenen Berufs: einen Patienten fragen, wohin der Schmerz ausstrahlt, eine Darmspiegelung in einfachen Worten erklären, einem Oberarzt einen Fall vorstellen, einen Arztbrief schreiben. Ein Kurs, der das Café nie verlässt, kann das nicht trainieren.
- Fachwortschatz. Symptome, Untersuchungen, Wirkstoffgruppen und Anatomie kommen in allgemeinen Kursen kaum vor, und du brauchst sie in zwei Sprachebenen.
- Abläufe im Berufsalltag. Anamnese, Aufklärungsgespräch und Fallvorstellung folgen jeweils einem Aufbau, den allgemeine Kurse nie vermitteln.
- Telefonate. Anrufe bei Hausärzten, Laboren und Angehörigen laufen ohne Gesicht und Gesten.
- Dokumentation. Der unpersönliche, abgekürzte Stil deutscher Krankenakten ist eine eigene Textsorte.
- Patienten statt Übungsaufgaben. Patienten sprechen umgangssprachlich, manchmal im Dialekt, und sie verstehen etwas falsch. Das musst du in Echtzeit bemerken und klären.
- Sprechzeit. In einem Gruppenkurs sprichst du pro Stunde nur wenige Minuten. Für ein flüssiges Patientengespräch brauchst du viele Stunden eigene Sprechpraxis.
Was du brauchst, ist Übung in deinen eigenen klinischen Gesprächen, laut und jeden Tag. Genau diese Lücke schließt Viglot.
Wie Viglot das Problem löst: Du übst deine eigenen klinischen Gespräche
Viglot ist eine Sprach-App, die jede Lektion aus einer Szene aufbaut, die du selbst beschreibst. Gib eine Situation ein, etwa „einem besorgten Patienten ein CT-Ergebnis erklären“, auf Deutsch oder in deiner Sprache, und Viglot macht daraus Sätze mit Bild, Audio und Übersetzung, Übungen, Hörverstehen und gesprochene Rollenspiele, alles in dieser einen Szene. Erklärungen kommen in deiner Sprache, und Spaced Repetition holt die Wörter zurück, bis sie sitzen. So übst du deine Gespräche jeden Tag, ohne einen Partner zu brauchen.
- Niemand, mit dem du eine Anamnese üben kannst? Spiel sie in einer Sprachaufgabe durch Ein Gesprächspartner spielt den Patienten, den Angehörigen oder den Oberarzt und bleibt in der Rolle. Vor dem Start siehst du die Situation, dein Ziel und die Erfolgskriterien und kannst Beispielsätze aufdecken. Danach siehst du, ob du jedes Kriterium erfüllt hast, mit Feedback und Korrekturen zu dem, was du gesagt hast. Die Rollen ergeben sich aus der Szene; oft spielst du selbst die Ärztin oder den Arzt.
- Einen Begriff nur in einer Sprachebene gelernt? Sag ihn auf beide Arten Bei „Mit eigenen Worten“ sagst oder schreibst du einen Satz noch einmal mit anderen Worten und gleicher Bedeutung: genau die Fähigkeit, mit der du Fachsprache in Alltagsdeutsch für den Patienten übersetzt.
- Das Wort fällt dir unter Druck nicht ein? Antworte und erkläre laut Bei „Was würdest du sagen?“ liest du eine Situation in deiner Sprache, antwortest laut auf Deutsch und vergleichst deine Antwort mit einer Musterantwort. Bei „Mach dich verständlich“ versteht dein Gegenüber absichtlich etwas falsch, und du formulierst schriftlich um und erklärst, bis deine Aussage ankommt – genau wie im Gespräch mit einem Patienten, der nicht folgen kann.
- Patienten sprechen schnell? Trainiere dein Ohr und behalte deine Wörter Hörverstehen spielt dir einen Dialog aus derselben Szene vor, und jedes Wort, das du lernst, kehrt mit Spaced Repetition wieder, bis es sitzt.
Je genauer die Szene, desto genauer die Wörter. Diese Themen funktionieren gut, genau so eingegeben:
- Anamnese bei akutem Thoraxschmerz in der Notaufnahme
- Patientenvorstellung bei der Oberärztin (Arzt-Arzt-Gespräch)
- Visite: einem Patienten seine Laborwerte erklären
- Telefonat mit dem Hausarzt wegen des Entlassbriefs
- Oder in deiner eigenen Sprache: „Eine Darmspiegelung in einfachen Worten erklären, bevor der Patient die Einwilligung unterschreibt“
Du kannst auch den Namen der Prüfung eingeben, zum Beispiel „Fachsprachprüfung Medizin“. Viglot plant dann einen Lehrplan dafür, Einheit für Einheit auf deinem Niveau, und jede Einheit spielt in einer Alltagsszene. Für den klinischen Wortschatz funktionieren selbst eingegebene klinische Szenen besser, wechsle also in einem Kurs zwischen beidem ab.
Briefings, Übersetzungen und die Situationen bei „Was würdest du sagen?“ erscheinen in deiner eigenen Sprache, ob Türkisch, Persisch, Ukrainisch, Arabisch oder eine von über 40 Sprachen, mit einer Rechts-nach-links-Oberfläche für Persisch und Arabisch. Das Deutsch bleibt Deutsch.
Die Kernübungen, Spaced Repetition und eine begrenzte Zahl neuer Szenarien pro Woche sind kostenlos. Aussprache, Sprachaufgaben, „Mach dich verständlich“, „Was würdest du sagen?“, „Mit eigenen Worten“, Hörverstehen, kulturelle Feinheiten und Grammatikübungen sind Premium.
Viglot ist unabhängig und mit keiner Ärztekammer, Behörde oder Prüfungsstelle verbunden. Es bietet keine Probeprüfungen an und kann weder ein Bestehen noch eine Anerkennung versprechen. Die Inhalte werden zum Sprachüben erzeugt und sind keine medizinische Handlungsanleitung.
Fünf Fertigkeiten, jeweils mit einer Übung
Für die meisten Ärzte, die Deutsch als Erwachsene gelernt haben, ist nicht die Medizin das Schwierige, sondern das gesprochene medizinische Deutsch: der passende Fachbegriff, das einfache Wort für den Patienten, die Abkürzung in den Notizen, der feste Aufbau einer Fallvorstellung. Diese fünf Fertigkeiten machen den Unterschied, und zu jeder gibt es eine Übung, die du allein machen kannst.
- Medizinische Terminologie Viele Ärztinnen und Ärzte kennen die Krankheit, aber nicht das deutsche Wort für das Symptom, die Untersuchung oder die Wirkstoffgruppe. Übung: Lerne jeden Fachbegriff zusammen mit seinem Alltagswort und sag beide laut in einem Satz.
- Wechsel zwischen Fach- und Alltagssprache Mit dem Patienten heißt es „Bauchschmerzen“, in der Vorstellung „Abdominalschmerzen“. Übung: Erkläre jeden Tag einen Befund zweimal, einmal einem imaginären Patienten und einmal einem Oberarzt.
- Abkürzungen Deutsche Arztbriefe und Befunde sind voll davon. Übung: Führe eine laufende Liste (V. a., Z. n., o. B., AZ) und lies Notizen laut vor, wobei du jede Abkürzung ausschreibst.
- Strukturierte Dokumentation Deutsche Krankenakten folgen einem vorhersehbaren Aufbau und einem unpersönlichen Stil. Übung: Schreibe nach jeder gesprochenen Anamnese denselben Fall in der immer gleichen Reihenfolge auf, mit Stoppuhr.
- Aufklärungsgespräche Einen Eingriff, seine Risiken und das Selbstbestimmungsrecht des Patienten zu erklären, folgt festen Konventionen. Übung: ein Aufklärungsgespräch pro Woche, das mit einer Rückfrage endet, ob der Patient alles verstanden hat.
Redemittel für die Gespräche deines Arbeitstags
Die Redemittel und Beispiele unten sind unsere eigenen Beispiele zum Sprachüben, keine medizinische Handlungsanleitung. Gegenüber Patienten sagst du immer Sie und Herr oder Frau mit Nachnamen. In vielen Stationsteams duzen sich die Kollegen, aber warte ab, bis dir das Du angeboten wird, und sieze die Prüfer.
Die Anamnese erheben
| Redemittel | Dafür nutzt du es |
|---|---|
| Guten Tag, mein Name ist …, ich bin Assistenzärztin hier in der Notaufnahme. | dich und deine Rolle vorstellen |
| Was führt Sie heute zu uns? | mit der Hauptbeschwerde einsteigen |
| Seit wann haben Sie diese Beschwerden? | nach dem Beginn fragen |
| Können Sie mir zeigen, wo genau es wehtut? | den Schmerz lokalisieren |
| Strahlen die Schmerzen irgendwohin aus, zum Beispiel in den Arm oder in den Rücken? | fragen, ob der Schmerz ausstrahlt |
| Wie würden Sie den Schmerz beschreiben: eher drückend, stechend oder brennend? | nach der Art des Schmerzes fragen |
| Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie stark sind die Schmerzen gerade? | nach der Stärke fragen |
| Haben Sie Vorerkrankungen, zum Beispiel Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit? | nach Vorerkrankungen fragen |
| Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein? | nach Medikamenten fragen |
| Sind bei Ihnen Allergien bekannt, zum Beispiel gegen Medikamente? | nach Allergien fragen |
| Rauchen Sie? Und wie sieht es mit Alkohol aus? | nach Rauchen und Alkohol fragen |
| Gibt es in Ihrer Familie Herz-Kreislauf-Erkrankungen? | nach der Familienanamnese fragen |
| Habe ich Sie richtig verstanden, dass …? | prüfen, ob du alles richtig verstanden hast |
| Gibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten? | die Anamnese abschließen |
Beispiel: die erste Minute einer Anamnese in der Notaufnahme
Ärztin: Guten Tag, Herr Lehmann. Mein Name ist Petrova, ich bin Assistenzärztin hier in der Notaufnahme. Was führt Sie heute zu uns?
Herr Lehmann: Ich hab seit heute Morgen so einen Druck auf der Brust. Das geht einfach nicht weg.
Ärztin: Das klingt unangenehm. Seit wann genau haben Sie den Druck?
Herr Lehmann: Seit ungefähr sieben Uhr, beim Treppensteigen fing es an.
Ärztin: Können Sie mir zeigen, wo genau Sie den Druck spüren? Strahlt er irgendwohin aus?
Herr Lehmann: Hier in der Mitte. Und manchmal zieht es in den linken Arm.
Ärztin: Danke, das ist wichtig. Ich fasse kurz zusammen: Seit heute Morgen haben Sie einen Druck in der Brustmitte, der manchmal in den linken Arm zieht. Habe ich das richtig verstanden?
Achte auf den Ablauf: eine kurze Vorstellung, eine offene Frage, gezielte Nachfragen und eine Zusammenfassung, die der Patient bestätigen kann. Die Zusammenfassung zeigt, dass du verstanden hast, und gibt dem Patienten die Chance, dich zu korrigieren.
Fachbegriffe und die Wörter der Patienten
Lerne diese Begriffe als Paare. Die linke Spalte nutzt du in der Vorstellung und in der Dokumentation, die mittlere im Gespräch mit dem Patienten.
| Fachbegriff | Im Gespräch mit dem Patienten | Bedeutung |
|---|---|---|
| Abdominalschmerzen | Bauchschmerzen | Schmerzen im Bauchraum |
| Dyspnoe | Atemnot, Luftnot | erschwerte Atmung, Luftnot |
| Hypertonie | Bluthochdruck | dauerhaft erhöhter Blutdruck |
| Myokardinfarkt | Herzinfarkt | Verschluss eines Herzkranzgefäßes |
| Apoplex | Schlaganfall | Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn |
| Pneumonie | Lungenentzündung | Entzündung des Lungengewebes |
| Ödeme | Wassereinlagerungen | Schwellung durch Wasser im Gewebe |
| Obstipation | Verstopfung | seltener, harter Stuhlgang |
| Synkope | kurze Ohnmacht | kurze Bewusstlosigkeit |
| Antikoagulation | Blutverdünnung | Hemmung der Blutgerinnung |
| Koloskopie | Darmspiegelung | Untersuchung des Dickdarms mit dem Endoskop |
| Sonografie | Ultraschall | bildgebende Untersuchung mit Schallwellen |
Echte Patienten gehen über die mittlere Spalte hinaus. Rechne mit Alltags- und Regionalausdrücken und lerne, sie in einen Befund zurückzuübersetzen:
| Der Patient sagt | Was meist gemeint ist |
|---|---|
| Ich hab’s im Kreuz. | Rückenschmerzen im unteren Rücken |
| Mir ist ganz schummrig. | Schwindel, Schwächegefühl |
| Ich hab Wasser in den Beinen. | geschwollene Beine, möglicherweise Ödeme |
| Mein Zucker ist nicht gut eingestellt. | schlecht eingestellter Diabetes |
| Ich hab’s mit dem Magen. | irgendwelche Magen-Darm-Beschwerden, also nachfragen |
Einen Eingriff erklären und die Einwilligung einholen (Aufklärung)
| Redemittel | Dafür nutzt du es |
|---|---|
| Ich möchte Ihnen kurz erklären, welche Untersuchung wir planen und warum. | die Aufklärung ankündigen |
| Bei einer Darmspiegelung schauen wir uns Ihren Darm von innen an, mit einem dünnen, beweglichen Schlauch, an dessen Spitze eine kleine Kamera sitzt. | den Eingriff in einfachen Worten beschreiben |
| Am Tag vorher trinken Sie eine Lösung, damit der Darm ganz sauber ist. | die Vorbereitung erklären |
| Die Untersuchung ist in der Regel gut verträglich. Selten kann es zu einer Blutung kommen, sehr selten kann die Darmwand verletzt werden. | seltene und sehr seltene Risiken nennen |
| Haben Sie bis hierhin Fragen? | zu Fragen einladen |
| Können Sie mir mit Ihren eigenen Worten sagen, was morgen passiert? | das Verständnis prüfen (Teach-back) |
| Sie können sich das in Ruhe überlegen. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. | deutlich machen, dass der Patient entscheidet |
| Wenn Sie einverstanden sind, unterschreiben Sie bitte hier den Aufklärungsbogen. | um die Unterschrift bitten |
Einen Patienten einem Kollegen vorstellen (Arzt-Arzt-Gespräch)
Eine Fallvorstellung folgt einer festen Reihenfolge. Lerne das Gerüst einmal, dann muss jeder neue Fall nur noch gefüllt werden.
| Schritt | Redemittel |
|---|---|
| Wer und warum | Ich möchte Ihnen Frau …, … Jahre alt, vorstellen. Sie stellte sich heute mit … vor. |
| Aktuelle Beschwerden | Die Beschwerden bestehen seit … Begleitend berichtet sie über … |
| Vorerkrankungen und Medikation | An Vorerkrankungen sind … bekannt. Sie nimmt regelmäßig … ein. Allergien sind keine bekannt. |
| Vegetative, Sozial- und Familienanamnese | Die vegetative Anamnese ist bis auf … unauffällig. Sozialanamnestisch lebt sie … |
| Verdachtsdiagnose | Ich habe den Verdacht auf … Differenzialdiagnostisch kommen … in Betracht. |
| Weiteres Vorgehen | Als weiteres Vorgehen würde ich … vorschlagen. |
| Mit Rückfragen umgehen | Das habe ich nicht erfragt, das würde ich nachholen. Darf ich kurz in meinen Notizen nachsehen? |
Beispiel: Vorstellung bei einem Oberarzt
Ich möchte Ihnen Frau Schubert vorstellen, eine 71-jährige Patientin, die sich heute mit seit drei Tagen zunehmender Dyspnoe und produktivem Husten mit gelblichem Sputum vorstellte. Begleitend berichtet sie über Fieber bis 38,6 °C und Abgeschlagenheit. An Vorerkrankungen sind eine arterielle Hypertonie und ein Diabetes mellitus Typ 2 bekannt. Sie nimmt regelmäßig Ramipril und Metformin ein, Allergien sind keine bekannt. Noxen: Nikotin- und Alkoholkonsum werden verneint. Die vegetative Anamnese ist bis auf einen verminderten Appetit unauffällig. Sozialanamnestisch lebt sie allein, wird aber von ihrer Tochter unterstützt. Ich habe den Verdacht auf eine ambulant erworbene Pneumonie. Differenzialdiagnostisch kommen eine akute Bronchitis und eine kardiale Dekompensation in Betracht. Als weiteres Vorgehen würde ich eine körperliche Untersuchung, ein Labor mit Blutbild und Entzündungsparametern sowie einen Röntgen-Thorax in zwei Ebenen vorschlagen.
Aufschreiben: Dokumentation und Arztbrief
Deutsche Krankenakten sind unpersönlich und knapp formuliert. Diese Satzmuster tauchen in Aufnahmebefunden und im Arztbrief auf, dem Brief an die Hausarztpraxis.
- Die stationäre Aufnahme erfolgte aufgrund von …
- Anamnestisch berichtete die Patientin über …
- Bei Aufnahme befand sich die Patientin in reduziertem Allgemein- und gutem Ernährungszustand.
- Laborchemisch zeigte sich ein erhöhtes CRP.
- Unter der eingeleiteten Therapie besserte sich der Zustand rasch.
- Wir entlassen die Patientin in gutem Allgemeinzustand in Ihre weitere hausärztliche Betreuung.
- Wir bitten um eine Kontrolle der Entzündungsparameter in einer Woche.
| Abkürzung | Ausgeschrieben | Bedeutung |
|---|---|---|
| V. a. | Verdacht auf | noch nicht gesicherte Diagnose |
| Z. n. | Zustand nach | frühere, abgeschlossene Erkrankung oder Operation |
| o. B. | ohne Befund | unauffällig, nichts Krankhaftes gefunden |
| AZ / EZ | Allgemeinzustand / Ernährungszustand | wie krank bzw. wie gut ernährt der Patient wirkt |
| DD | Differenzialdiagnose | weitere infrage kommende Diagnosen |
| b. B. | bei Bedarf | Medikament nur bei Beschwerden, nicht fest angesetzt |
Am Telefon mit der Hausarztpraxis
Telefonate gehören zu den schwierigsten Dingen in den ersten Monaten auf Station: kein Gesicht, keine Gesten und oft ein Gegenüber in Eile. Eine Struktur funktioniert immer: wer du bist, um welchen Patienten es geht, warum du anrufst, was du brauchst, und zum Schluss eine Rückbestätigung.
| Redemittel | Dafür nutzt du es |
|---|---|
| Guten Tag, hier ist …, Assistenzarzt auf der Inneren, Station 4. | sagen, wer du bist und wo du arbeitest |
| Ich rufe wegen Ihrer Patientin Frau …, geboren am …, an. | den Patienten benennen |
| Es geht um ihre Entlassung morgen. | den Grund des Anrufs nennen |
| Könnten Sie mir bitte die aktuelle Medikation durchgeben? | um Informationen bitten |
| Ich wiederhole kurz, um sicherzugehen: … | das Gehörte wiederholen |
| Den vorläufigen Arztbrief bekommt die Patientin morgen mit. | sagen, wie der Brief die Praxis erreicht |
Ein Wort zum Ton: Höflichkeit im deutschen Klinikalltag lebt vom Konjunktiv. „Ich würde vorschlagen …“ und „Könnten Sie …?“ klingen professionell; ein bloßer Imperativ gegenüber Kollegen oder ein „Sie müssen …“ gegenüber Patienten kann schroff wirken, auch wenn es grammatisch richtig ist.
Typische Fehler und wie du sie behebst
- Nomen ohne Artikel. „Pneumonie“ allein genügt nicht. Lerne die Pneumonie, das Ödem, der Infarkt, jeweils mit dem Plural, sonst sammeln sich in deiner Vorstellung lauter kleine Fehler, die die Zuhörer ablenken.
- Das Verb an der falschen Stelle. Fallvorstellungen sind voller Nebensätze, die das Verb ans Ende schieben: „…, die sich heute mit Atemnot vorstellte.“ Übe die Gerüstsätze, bis das Verb von selbst dort landet.
- Zu direkt gegenüber Patienten. Eine Reihe nackter Fragen klingt wie ein Verhör. Kurze Abschwächer wie „Darf ich Sie fragen …?“ oder „Könnten Sie mir sagen …?“ verändern den ganzen Ton.
- Fachbegriffe im Patientengespräch. „Sie haben eine Dyspnoe“ kommt bei den meisten Patienten nicht an. Sag zuerst das Alltagswort und nenne den Fachbegriff nur, wenn er hilft.
- Gesprochene Zeitform im Schriftlichen. Beim Sprechen nimmst du das Perfekt: „Die Schmerzen haben gestern angefangen.“ In Dokumentation und Arztbriefen übernehmen das Präteritum und der Nominalstil: „Die Aufnahme erfolgte aufgrund von …“.
- Nicht prüfen, ob der Patient verstanden hat. „Haben Sie das verstanden?“ provoziert ein schnelles Ja. Bitte den Patienten stattdessen, es mit eigenen Worten zu wiederholen.
Ein Übungsplan in vier Phasen
Der Plan setzt solides Allgemeindeutsch voraus. Gib jeder Phase so viel Zeit, wie du hast; am wichtigsten ist, dass du jeden Tag sprichst.
Phase 1: Wortpaare und eine Fragensammlung
Baue deine Begriffspaare nach Organsystemen auf (Herz, Lunge, Bauch, Nervensystem, Bewegungsapparat) und wiederhole sie täglich mit Spaced Repetition. Schreibe dir einen eigenen Fragenkatalog für die Anamnese, in der Reihenfolge, in der du fragst, und sprich ihn laut, bis er ohne Nachdenken kommt.
Phase 2: komplette Anamnesen, laut und mit Zeitnahme
Nimm dir jeden Tag eine vollständige Anamnese anhand einer kurzen Fallbeschreibung vor, sprich beide Rollen und nimm sie auf. Schließe jede mit deiner Erklärung für den Patienten in Alltagssprache ab. Schreibe danach die Dokumentation mit Stoppuhr.
Phase 3: Fallvorstellungen und Rückfragen
Nimm den Arzt-Arzt-Teil dazu: Stelle jeden Fall in der festen Reihenfolge vor und beantworte dann drei Fragen, die du vorher aufgeschrieben hast. Übe den Registerwechsel täglich: derselbe Befund einmal für den Patienten, einmal für den Kollegen.
Phase 4: komplette Fälle mit einem Partner
Übe komplette Fälle, von der ersten Frage bis zur Fallvorstellung, mit einer Kollegin oder einem Kollegen, und nutze offizielles Beispielmaterial, das die zuständige Stelle veröffentlicht. Konzentriere dich auf die Reparatur: was du sagst, wenn du den Patienten nicht verstehst, und wie du ein fehlendes Wort umschreibst.
Eine tägliche Routine von 30 Minuten
- 5 Minuten: die heutigen Begriffspaare wiederholen.
- 10 Minuten: eine Anamnese oder eine Fallvorstellung, laut und mit Zeitlimit.
- 5 Minuten: eine Diagnose oder einen Eingriff in Alltagsdeutsch erklären.
- 10 Minuten: eine kurze Dokumentation oder einen Absatz eines Arztbriefs schreiben.
Apothekerinnen, Apotheker und Zahnärzte
Bist du Apothekerin, Apotheker oder Zahnarzt, funktioniert dieselbe Methode für dein Fach: Lerne Fach- und Alltagsbegriffe als Paare, übe deine Beratungs- oder Aufklärungsgespräche laut und schreibe kurze Notizen im unpersönlichen Stil. Gute Viglot-Themen sind „Beratung in der Apotheke: Kundin fragt nach Wechselwirkungen mit Blutverdünnern“ oder „Aufklärung vor einer Wurzelbehandlung“.
Hinweise nach Muttersprache
Deine Muttersprache bestimmt, welche Teile des Deutschen dir leichtfallen und welche zusätzliche Übung brauchen. Hier die Punkte, auf die du bei einigen der Sprachen unserer Leser achten solltest.